Im vergangenen Jahrhundert war der Einbau von Holzdielenfußböden die Regel. Es zeugt von der großen Nachhaltigkeit und Werthaltigkeit dieses Materials, daß wir auch heute in diesen Häusern noch oft über die selben Holzfußböden gehen. Heute haben wir eine große Auswahl von Fußböden aus nachwachsenden Rohstoffen. Neben traditionellen Materialien wie Holz werden aber auch eine Vielzahl neuer, modernerer Produkte für unterschiedliche Anforderungen und Einsatzfelder bereitgestellt.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz
"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der heutigen Generation zu decken vermag, ohne die Möglichkeit künftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken." (UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Perspektivenbericht "Umweltentwicklung" im Brundtland-Report 1987). Aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz sind die natürlichen Bodenbeläge aus nachwachsenden Rohstoffenden chemisch synthetischen Angeboten weit überlegen. Sowohl in der Herstellungsphase als auch in der Nutzungs-, Nachnutzungs- und Entsorgungsphase wirken sich diese Produkte in einer Gesamtbetrachtung positiver auf die menschliche Gesundheit, unsere Umwelt und den Klimaschutz aus. Fußböden aus natürlichen und nachwachsenden und möglichst CO2 neutralen Rohstoffen und Materialien bieten hervorragende Lösungen. Holz ist der Klassiker, Kork oder Linoleum sind ebenfalls hervorragend geeignet. Wer den Teppich bevorzugt, kann hier ebenfalls auf Produkte aus pflanzlichen und tierischen Naturfasern zurückgreifen. Noch immer zu wenig bekannt ist, dass der Energieaufwand zur Herstellung natürlicher Fußböden und -belege gering ist, dass sie sich kaum statisch aufladen, eine feuchteausgleichende Wirkung haben sowie strapazierbar und leicht zu entsorgen sind.Bodenbeläge haben einen großen Anteil am Innenraumklima eines Hauses. Natürliche Bodenbeläge sind in der Regel gesundheitlich unbedenklicher. Um die heutzutage immer häufiger anzutreffenden komplexen Schadstoffbelastungen durch Bodenbeläge zu vermeiden, sollten sich Verbraucher schon vor dem Kauf der Bodenbeläge oder Kleber hinsichtlich der Volldeklaration, der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit und der Eignung informieren.
Holzboden - der Klassiker
Die älteste Form der Holzböden sind Dielenboden, auch Schiffboden oder Riemenboden genannt. Dies ist ein Holzfußboden aus breiten und langen Massivholz bzw. Vollholz-Elementen, oft in Raumlängen. Im Gegensatz zum großformatigen Dielenboden bezeichnet man kleinformatige Holzböden als Parkett. Dieser besteht aus Stäben, Parkettriemen, Tafeln für Tafelparkett, Mosaikparkettlamellen oder industriell hergestellten Fertigparkett-Elementen. Fertigparkett gibt es neben dem klassischen dreischichtigen Aufbau (Deckschicht, Mittellage und Unterzug) auch als zweischichtige Elemente. Während die Mittellage und der Unterzug in der Regel aus Nadelholz bestehen, finden in der Deckschicht die unterschiedlichsten Laubhölzer Verwendung. Beim Fertigparkett muss die Deckschicht nach der Norm mindestens 2 mm betragen. Sogenannte Furnierböden mit einer dünneren Deckschicht werden häufig auch als ?Echtholzböden? bezeichnet. Besteht die Deckschicht aus einem Stück, werden die Elemente oft als ?Landhausdiele? bezeichnet. Hiervon sind jedoch die Massivholzdielen streng zu unterscheiden.
Unterschiedliche Verlegemöglichkeiten (geklebt, schwimmend verlegt, genagelt oder geschraubt) bestimmen das Format des Parketts und die Optik der Holzböden. Achtung, bei verklebten Holzböden ist immer mit einer erhöhten Grundbelastung aus der Klebersubstanz zu rechnen. Neben den Lösemitteln sind dies vor allem Weichmacher und Stabilisatoren, die in geringen Mengen. dauerhaft in die Raumluft emittieren können. In Ruhe- und Schlafräumen sind daher schwimmend verlegte, genagelte oder geschraubte Holzbodensysteme zu bevorzugen.
Die Holzarten werden in Laub- und Nadelhölzer unterteilt. Die Sortierung beschreibt die optische Erscheinung des Holzes, in der Regel von Rustikal über Standard bzw. Natur bis zur aussortierten Ware. Die Dauerhaftigkeit der Holzböden ist wesentlich von der Härte der gewählten Holzart sowie von dem Quellverhalten unter Feuchtebelastung abhängig. Die natürliche Holztönung und die Abnutzungsfestigkeit werden durch die Baumart, den Wuchsbereich (Kern/Splint) und die Oberflächenbehandlung bestimmt. Bezüglich der Holzsorten stellt das europäische Wuchsgebiet eine reichhaltige Auswahl dieses nachhaltigen Baustoffes zur Verfügung. Neben Nadelhölzern wie Fichten, Kiefern, Lärchen, Douglasien stehen auch ausgefallene Laubholzarten wie Robinien-, Kirschen-, Hainbuchen- und die Olivenbäume mit besonders ausgeprägtem Erscheinungsbild zur Auswahl.
Linoleum
Linoleum ist ein von dem englischen Chemiker Frederick Walton 1860 entwickeltes Material. Der Name setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen linum ?Lein? und oleum ?Öl? und verweist auf das Leinöl, das neben Korkmehl und Jutegewebe der wichtigste Grundstoff für das Linoleum ist. Linoleum ist der einzige elastische Bodenbelag in Bahnen, der überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird: Leinöl, Harze, Kork- und Holzmehl, Kalksteinmehl und Pigmente werden zu einer Masse vermengt und unter Hitze und Druck auf das pflanzliche Trägermaterial Jute aufgewalzt. Bereits seit dieser Zeit werden Linoleumbeläge in Deutschland hergestellt und als Rollen- oder Fliesenware geliefert. Linoleum sollte nur auf einem fachmännisch vorbereiteten Untergrund verlegt werden. Trittschallunterlagen können in Flachs-, Hanf-, Wolle-, Jute- oder Baumwollqualität verlegt werden.
Beste Werten im Bereich Umwelt und Gesundheitsschutz bieten die unbehandelte Bahnenware. Auch Fertigparkette mit Kantenverleimung sowie mit Klick-Verbund und einer Linoleum-Nutzschicht weisen zahlreiche positive Eigenschaften auf und sind weitgehend antistatisch, elastisch, lichtecht, bakteriostatisch (Oberflächedes Belags wirkt bakterienhemmend), chemikalienbeständig, eindruckfest und kurzzeitig glutecht.
Kork
Als Kork (Phellem) wird in der Botanik die Zellschicht zwischen Epidermis und Rinde bezeichnet. Im Alltagsgebrauch wird mit dem Begriff Kork das Material aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) bezeichnet. Kork kommt überwiegend aus Portugal und Spanien. Die wirtschaftliche Nutzung der Korkeichenwälder sichert vielen Kleinbauern eine Existenz und ist gleichzeitig ein wichtiger Beitrag, um diese ökologisch wertvollen Landschaftsräume in Portugal und Spanien zu erhalten. Über viele Jahrzehnte können die Bäume alle 8 bis 10 Jahre geschält werden.
Die Rinde wird zu Granulat zerkleinert und unter Druck bei 120 °C zu Platten und Blöcken gepresst. Dabei werden Gemische von Naturharz- oder synthetischen Klebern verwendet. Wegen der Gesundheitsgefährdung und der kostspieligen Entsorgung sind sythetische Polyurethan-Verklebungen nicht empfehlenswert.
Es gibt zwei Arten von Korkoberflächen bei Fußbodenbelägen: einerseits die einschichtig massiven Korkbeläge und andererseits die furnierten, mehrschichtigen Bodenbeläge. Die furnierten Korkbodenbeläge unterscheiden sich durch ein aufgeklebtes Korkfurnier von den Massiven. Das Furnier wird auf den massiven Korkbelag geklebt und dient in erster Linie dekorativen Zwecken. Ein weiterer Vorteil ist die bessere Farbdeckung bei eingefärbten Korkplatten. Der Nachteil furnierter Korkfliesen ist die schlechtere Abriebsfestigkeit. Diese kann mit Siegellack deutlich verbessert werden. Jedoch soll darauf geachtet werden, daß keine stark lösungsmittelhaltigen Siegellacken auf Polyurethanbasis, sondert umweltfreundlichere Siegellacke auf Wasserbasis verwendet werden.
Die Hersteller verkaufen Korkparkett auch als Fliesen, welche sich vollständig mit dem Untergrund verkleben lassen und Kork-Fertigparkett, welches mit Nut-und-Feder-Systemen schwimmend verlegt wird, also nicht mit dem Untergrund verklebt wird. Ganz ohne Klebstoff beim Verlegen kommen Korkparkettsysteme mit speziellen Verbindungen zwischen den Fliesen (Klick-Systeme) aus.
Kork hat eine hervorragende Wärme- und Schallisolierung aus und ist sogar für die Verlegung in Badezimmern geeignet. Darüber hinaus ist er fußfreundlich, gelenkschonend, pflegeleicht, verrottungsfest und lädt sich kaum elektrostatisch auf. Es gibt verschiedene Oberflächen: unbehandelt, geölt, gewachst, transparent versiegelt oder eingefärbt versiegelt. Über die Inhaltsstoffe der Einfärbemittel und der Versiegelung liegen meist jedoch keine Volldeklarationen vor. Als Verbraucher und Klimamensch sollte man den natürlichen, möglichst volldeklarierten Oberflächenbeschichtungen wie Bienenwachs oder Naturharzöl-Klarlack den Vorzug geben und sich beim Verband "Das Kork-Logo" zu den Inhaltsstoffen und Qualitäten solcher Produkte zu informieren.
Teppich
Teppiche sind wohnlich, schalldämmend, fußwarm und weich und laden zum Sitzen auf dem Boden ein. Daher schätzen viele Menschen den guten, alten Teppichboden. Ein Teppichboden kann durch verschiedene Verfahren hergestellt werden: Beflocken, Klebepol-Verfahren, Nadeln, Tufting, Weben oder Wirken. Dabei können verschiedene Fasermaterialien zum Einsatz kommen. Natürlich-pflanzliche Fasermaterialien sind Baumwolle, Jute, Flachs, Kokos, Hanf und Sisal, natürlich-tierische Materialien sind Wolle, Haare und Seide. Chemisch-cellulosische Fasermaterialien sind Viskose und Zellwolle und synthetische Kunstfasern sind Polyamid, Polyester, Polyacryl und Polypropylen. Diese Fasern werden zu Pol- oder Flachgewebe verarbeitet. Ein Teppichboden kann lose verlegt, verklebt, verklettet oder verspannt werden.
Alle Naturfaser-Teppichböden zeichnen sich durch raumklimaverbessernde Eigenschaften aus. Beispielsweise ist Schafwolle äußerst atmungsaktiv. Sie nimmt bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen können Wollteppiche sogar Raumluftschadstoffe wie Formaldehyd binden und teilweise abbauen.
An textile Bodenbeläge werden mittlerweile gemäß der Agenda 21 und der staatlichen Umweltpolitik hohe Anforderungen an die Recyclingfähigkeit, leichte Entsorgbarkeit und Umweltkriterien gestellt. Echte Naturteppichböden ohne Kunststoffe oder Hilfsstoffe sind im Gegensatz zu konventionellen Bodenbelägen sogar kompostierbar. Synthetische Belege dagegen sind nur äußerst schwer zu entsorgen, denn sie sind heterogen, also aus unterschiedlichen Stoffgruppen zusammengesetzt. Sie können nur mit Hilfe der Müllverbrennung vernichtet werden. Selbst Naturfaserbeläge mit einer komplett synthetischen Rückenbeschichtung und einem dafür typischen Neugeruch sind im Handel vorzufinden. Außerdem enthalten selbst viele Naturfaserteppiche zwischen 80 und 200 mg/m2 des Mottenschutzmittels Permethrin. Dass es auch anders geht, zeigen Hersteller von Naturteppichböden, die in manchen Qualitäten kein oder höchstens 0,1 und 5,0 mg/m2 Permethrin einsetzen. Als Motten- und Milbenschutz für Naturteppichböden empfiehlt sich das pflanzliche und weitaus gesundheitsverträglichere Neemöl.
Beim Färben von Teppichen wird das Fasermaterial durch Aufbringen von Farbmitteln durch Tauch-, Sprüh- oder Druckprozesse bearbeitet. Heute werden die Farben meist in der chemischen Industrie hergestellt. Etwa 60 % aller im Markt befindlichen Farbstoffe für synthetische Bodenbeläge sind Azofarbstoffe. Die Aufnahme von gesundheitsbedenklichen Azo- und Synthetikfarbstoffen in den menschlichen Körper ist durch Einatmen und Verschlucken von Stäuben und Aerosolen sowie durch Hautkontakt möglich. Zur Färbung von Naturfaser-Bodenbelägen sollten dagegen Pflanzenfarbstoffe und Mineralien- und Metallkomplex-Farbstoffe eingesetzt.
Auch und insbesondere bei Teppichböden ist daher auf eine Volldeklaration oder ein Prüfzertifikat zu achten, damit schädliche Inhaltsstoffe ausgeschlossen werden können. Es genügt leider nicht, bei Teppichböden alleine auf das sichtbare Oberflächenmaterial zu achten. Ein Blick auf den Rücken bringt so manche Schadstoffquelle ans Licht. Teppichböden mit Schaumstoffrücken können Schadstoffe abgeben. Ein Jute- oder Baumwollrücken ist eine gesunde, langlebige und klimafreundliche Alternative.