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Klimafreundliche und nachwachsende Dämmstoffe

Dämstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zeichnen sich durch ihre Nachhaltigkeit und besitzen viele bauphysikalische und gesundheitliche Vorteile.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit besitzen die nachwachsenden Dämmstoffe enorme Vorteile gegenüber konventionellen Dämmstoffen. Sie schonen unsere endlichen Ressourcen, besitzen nahezu geschlossene CO2-Kreisläufe, haben keine schädlichen Emissionen während der Nutzung und im Brandfall und besitzen ein unproblematisches Entsorgungsverhalten.

Außerden verbraucht die Herstellung nachwachsenden Dämmstoffe in der Regel weit weniger Energie als die von Glas- und Steinwolle oder Polystyrol. Viele Naturdämmstoffe stammen aus einheimischer Land- und Forstwirtschaft oder können hier künftig gewonnen werden, wenn die Nachfrage zunimmt. Das bedeutet kurze Wege, weniger Import-Abhängigkeit und Chancen für den ländlichen Raum.

Bauphysikalisch entsprechen Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen in puncto Wärmeleitfähigkeit den Werten der konventionellen Dämmstoffe, außerdem sorgt ihre hohe spezifische Wärmekapazität im Sommer für eine Verminderung und zeitliche Verschiebung des Wärmeeintrags in den Wohnbereich. Das Feuchteverhalten von Naturfaserdämmstoffen ist als überdurchschnittlich gut zu bewerten, da sie in der Lage sind, Feuchtigkeit zu transportieren oder zeitweise zu binden, ohne an Dämmkraft einzubüßen.

Naturdämmstoffe geben keine Schadstoffe an die Raumluft ab, sie sind hautfreundlich und der Verbraucher kann sich mittels Volldeklaration über sämtliche Inhaltsstoffe informieren, was besonders für Allergiker wichtig ist.

Zellulose

Cellulose ist ein wichtiger Rohstoff zur Papierherstellung. Als Ausgangsrohstoff dient das lignin- und cellulosereiche Holz. Aus diesem wird Holzschliff hergestellt, das für Papier weniger hoher Qualität verwendet wird. Durch Entfernen des Ligninanteils kann Zellstoff verwendet werden, der hauptsächlich aus Cellulose besteht und für Papiere höherer Qualität verwendet wird.

Als Verwendung für natürliches Dämmmaterial wird sortiertes Zeitungspapier in einem mechanischen Prozess zunächst zerkleinert. Der gewonnene Cellulosedämmstoff kann fugenlos eingeblasen und für die Wärmedämmung und als Schallschutz verwendet werden. Das Verfahren wird in Kanada und den USA seit ca. 1940 angewendet. Vorteil von diesem Dämmstoff ist die umweltschonende Herstellung, bzw. die weitere Verwendung von sortiertem Zeitungspapier.


Hanf

Kultur-Hanf ist als Nutzpflanze erstmals um 2800 v. Chr. in China in Gebrauch gekommen, das älteste erhaltene Hanfprodukt ist ein Textilfragment aus einem Grab der Chou-Dynastie (1122 bis 249 v. Chr.). Ebenfalls in China ist eine erste Verwendung für Hanf-Papier (die erste bekannte Verwendung von Papier überhaupt) zwischen 140 und 87 v. Chr. belegt.

Hanf ist als nachwachsender Rohstoff wegen seiner problemlosen Zucht und vollständigen Nutzbarkeit beliebt. Es werden keinerlei Herbizide benötigt, weil die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen den Boden vollständig beschatten, sodass kein Unkraut mehr Licht findet. Außerdem ist er äußerst schädlingsresistent und pflegeleicht. Hanf produziert mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze. In der Wirtschaft ist Hanf äußerst vielseitig einsetzbar und wird wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz geschätzt.

Die Hanffasern werden zu Dämmmatten oder Stopfdämmung verarbeitet, die verholzten Schäben zu Schüttdämmstoff oder festen Platten. Hanfmatten können als Dämmung für Wand, Dach und Boden eingesetzt werden. Die Diffusionseigenschaften von Hanf garantieren eine gute Feuchtigkeitsregulierung und ein angenehmes Raumklima. Hanf ist gut hautverträglich und lässt sich staubarm verarbeiten. Da Hanffasern kein Eiweiß enthalten, entfällt eine Behandlung gegen Motten und Käfer.


Flachs

Leinen oder Flachs (altgr. linon und lat. linum ,Lein?) ist die Faser aus der Lein- oder Flachspflanze, insbesondere auch das daraus gefertigte Gewebe oder Tuch.
Aus Kurzfasern, die als Nebenprodukt der Leinengewinnung anfallen, werden Naturdämmstoffe in Form von Matten, Platten oder Stopfwolle hergestellt. Flachs weist einen WLG-Wert von 040 auf und ist damit vergleichbar mit Holzfaser, Zellulose, Steinwolle oder auch Polystyrol und speichert bei einer Wärmekapazität von 1550 J/(kg x K) Wärme gut. Flachsdämmstoffe werden aus den kurzen Fasern der Leinpflanze durch mechanisches Verfilzen hergestellt. Wie auch Hanf enthält Flachs natürliche Bitterstoffe, wodurch er von Natur aus resistent gegen Schädlingsbefall durch Insekten oder Nagetiere ist. Flachsdämmstoffe sind zugfest und dehnbar und haben eine hohe Formbeständigkeit im eingebauten Zustand. Die Dämmmatten sind für viele Einsatzbereiche geeignet und lassen sich besonders verarbeitungsfreundlich einbauen.


Schilf

Schilf bzw. Schilfrohr ist eine Süßgräserart, die in verschiedenen Arten weltweit vorkommt. In ihrer Hauptwachstumszeit kann die Sumpfpflanze an einem Tag bis zu 3 cm wachsen und erreicht in Europa eine Höhe bis zu 4 m. Aufgrund ihres Wurzelkriechverhaltens ist die Pflanze ein aggressiver Verlandungspionier, der u. U. die übrige Vegetation vollständig verdrängt. Dieses Verhalten kann jedoch durch Pflege und Beschnitt reguliert werden. Schilf wird bereits seit der Frühsteinzeit für Bauzwecke verwendet, als Dachdeckung oder als Unterkonstruktion für Lehm- oder Kalkputze.

Die Verwendung von Schilf als Dämmstoff  ist sehr vielseitig. Im Dach wird er als Zwischensparrendämmung oder als Aufdachdämmung ausgeführt, in Wänden als Wärmedämmverbundsystem (nicht im Sockelbereich), Gefachdämmung in Holzrahmenbauweise oder Kerndämmung sowie Innendämmung. Schilfrohrdämmplatten sind in Bodenaufbauten auch als Trittschalldämmung unter Estrichen einsetzbar. Schilfrohrmatten oder -platten werden ebenfalls mit verzinktem Draht gebunden und als dämmende Putzträger z.b. für Lehmputze eingesetzt. Schilf ist weitestgehend resistent gegen Feuchtigkeit, besitzt ein hohes Raumgewicht und wirkt durch den hohen Luftgehalt wärme- und feuchteausgleichend, was im Sommer zu sehr gutem Innenraumklima führt.


Wiesengras

Zur Herstellung von Dämmmaterial aus Gras findet meist das Deutsche Weidegras Verwendung, eine weitverbreitete und unempfindliche Grassorte. Nach dem Mähen muss das Wiesengras als Erstes haltbar gemacht werden. Hierfür wenden die Hersteller eine sogenannte Silage an, eine Konservierungsmethode für nachwachsende Rohstoffe durch Milchsäuregärung. Anschließend kann das Gras ausgewaschen und aus der gewonnenen Zellulose der Einblasdämmstoff hergestellt werden. Um die Brandschutzanforderungen zu erfüllen, erhalten die Zellulosefasern vor der Trocknung eine Beimischung aus Borsalz. Der gewonnene Einblas- und Stopfdämmstoff besteht aus 85% Zellulose, 5% Borsalz und 10% Wasser. Das geringe spezifische Gewicht führt zu exzellenten Dämmeigenschaften bei geringstem Materialverbrauch. Wiesengrasdämmstoff ist diffusionsoffen, nimmt wenig Wasser auf und besitzt hervorragende schalldämmende Eigenschaften. Der fertige Dämmstoff wird in die Hohlräume von Decken, Dächern und Wänden eingeblasen und wird vor allem bei schwer zugänglichen Stellen im Altbaubestand angewendet. 


Hobelspäne

Die Hobelspänedämmung besteht aus ausgesuchten Resten der in großen Mengen anfallenden Hobelabfälle. Als Holzspäne werden Späne benannt, die bei der mechanischen Holzverarbeitung in Sägewerken und in anderen Bereichen der holzverarbeitenden Industrie sowie im Heimbereich anfallen. Sie fallen als Neben- bzw. Abfallprodukt bei der spanenden Bearbeitungen von Stamm- und Schnittholz an. Für die Wärmedämmung werden Holzspäne aus Fichten- und Tannenholz zu verschiedenen Naturdämmstoffen verarbeitet: Lose Holzspäne und daraus produzierte Holzfasern werden als Einblas- oder Schüttdämmung verwendet, zu Plattenware verarbeitet kommen Holzfasern als Holzwolle-Leichtbauplatte und Holzfaserdämmplatte auf den Markt. Die Hobelspänedämmung ist für Dächer, Decken und Wände für den Wärme- und Schallschutz im Holzbau geeignet. 


Holzfaser

Holzfasern sind langgestreckte, axial angeordnete Holzzellen, die der Festigung des Holzes dienen. Der Faseranteil im Holz liegt bei den meisten Laubhölzern zwischen 50?60 %; hier spricht man von Libriformfasern. Bei den Nadelhölzern sind es die Längstracheiden, die 90?95 % des gesamten Nadelholzkörpers bilden. Auch Einjahrespflanzen bilden verholzte Fasern aus, der Faseranteil ist jedoch deutlich geringer als bei Holz. Faserstoffe für die Papierproduktion werden als Holzstoff bzw. Zellstoff bezeichnet.

Holzfaserdämmplatten, gelegentlich auch Holzweichfaserplatten oder Weichholzfaserplatten genannt, sind eine Art von Faserplatten, nämlich aus Holzfasern hergestellte Plattendämmstoffe, die meist zur Wärmedämmung der Außenhüllflächen eines Gebäudes eingesetzt werden. Sie wirken dem Durchgang von Wärme sowohl im Winter, als auch im Sommer entgegen. Teilweise werden sie auch im Trockenbau für die Konstruktion innerer Gebäudeteile (Wand, Boden) eingesetzt. Sie gehören zu den ältesten industriell hergestellten Naturdämmstoffen und wurden so bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt.

Holzfaserdämmplatten sind insbesondere geeignet für Dachdämmung und Außenwanddämmung im Außenbereich, im Inneren als Fußbodendämmung, Dämmung von Decken und Innenwänden sowie in Hohlräumen (Zwischensparren, Trennwände, Balkenlagen). Darüber hinaus eignen sich Holzfaserdämmplatten auch zur Schalldämmung im Innen- wie Außenbereich und zur Trittschalldämmung selbst von Wohnungstrenndecken bei erhöhten Anforderungen.


Kork

Kork ist die Rinde der immergrünen Korkeiche (Quercus suber). Sie wächst vor allem in Südwest-Europa und Nordwestafrika und wird seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. geschält und verarbeitet. Die Hauptkorkproduktion stammt heute aus Portugal (ca. 50 %). Korkeichen werden ca ab dem 20. Lebensjahr alle 9-12 Jahre geschält. Als Dämmstoff kommt Kork in Form von Dämmplatten oder als Schrot (Schüttmaterial) zum Einsatz. Korkplatten werden aus Granulat hergestellt, das unter Druck durch Ausnutzung seiner nätürlichen Harze zu Blöcken verklebt wird. Aus den Blöcken werden dann nach Belieben Korkplatten unterschiedlicher Dicke geschnitten. Hierfür eignet sich in erster Linie, die für die Flaschenkorkgewinnung uninteressante erste Schälung, da diese besonders harzreich ist. Mittlerweile werden aber auch recycelte Flaschenkorken mit Erfolg verwendet. Kork ist sehr vielseitig einsetzbar, sowohl im Dach als Zwischensparrendämmung (Granulat) oder Aufdachdämmung (Backkork-Platten), in der Wand (Wärmedämmverbundsysteme als Platten verputzt) oder lose in Konstruktionshohlräumen. Presskork wird auch in Böden und in Decken als Trittschalldämmung eingesetzt.  


Schafwolle

Schafwolle ist ein nachwachsender Rohstoff. Sie hat eine sogenannte natürliche Thermoregulations-Eigenschaft. Wolle kann im Faserinneren Wasserdampf aufnehmen, die Oberfläche stößt Wasser jedoch ab. Sie kann bis zu 33 % ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen und sie leitet Feuchtigkeit wesentlich schneller ab als z. B. die viel verwendete Baumwolle. Schafwolle ist geeignet für die Dämmung von Dachschrägen, Decken, Wänden und Böden sowie zum Ausstopfen von Ritzen oder Hohlräumen. Sie wird auch eingesetzt zur Dämmung von Leitungen und Behältern. 


Strohballen

Strohballen werden als dämmende Ausfachung in ein Holzständerwerk eingesetzt und verputzt oder verkleidet. Die Ballen können für Wand-, Dach- und Fußbodenkonstruktionen verwendet werden. Die in den Vereinigten Staaten praktizierte lastabtragende Strohballenbauweise ist in Deutschland zurzeit noch nicht genehmigungsfähig.

 

Quellen:
- Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe
- Wikipedia